Motto

Stonewall 50 – Every riot starts with your voice

Der Berliner CSD e.V. widmet seine diesjährige Demonstration „50 Jahre Stonewall – Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme“ den Aktivist*innen der LSBTTIQ*-Geschichte. Im Fokus der Motto-Kampagne stehen Audre Lorde, Brenda Howard, Karl-Heinrich Ulrichs, Lili Elbe und Marsha P. Johnson. Sie sind die Gesichter des 41. CSD Berlin.

Die fünf ausgewählten Porträts stehen stellvertretend für die unzähligen Aktivist*innen, die mit ihrem Kampf um Selbstbestimmung die Community und das Leben aller Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und anderer queerer Menschen (LSBTTIQ*) geprägt haben. Vorstand Berliner CSD e.V.: „Ein halbes Jahrhundert nach den Aufständen im Stonewall Inn würdigen wir diejenigen, die mit ihrem mutigen Widerstand gegen Polizeigewalt damals die Stonewall-Krawalle ausgelöst und die Entwicklung einer weltweiten LSBTTIQ*-Emanzipationsbewegung angestoßen haben. Mit unserer Kampagne wollen wir den Fokus aber zeitlich erweitern, denn es sind die vielen leisen und lauten, die bekannten wie die weniger bekannten Aktivist*innen, die den andauernden Kampf um Gleichberechtigung der LSBTTIQ*-Community geprägt haben. Ohne sie gäbe es sogar die bis heute errungenen Meilensteine wahrscheinlich noch gar nicht, sei es nun die Ehe für Alle oder das Dritte Geschlecht.“

Every riot

starts with your voice

 

Audre Geraldine Lorde (*1934 – †1992)

Die lesbische, feministische US-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin kam als Literaturdozentin Mitte der 1980er nach Berlin und zählt zu den Schlüsselfiguren der frühen afrodeutschen Bewegung. Im Kampf um Anerkennung von Unterschieden als Quelle von Kraft und Kreativität brachte sie das Thema Rassismus in die deutsche Frauenbewegung. Lorde bezeichnete sich selbst als „black lesbian feminist mother poet warrior“.

Statement Katharina Oguntoye | JOLIBA e.V.

Katharina Oguntoye, Mitgründerin von ADEFRA und des interkulturellen Netzwerks Joliba. Gemeinsam veröffentlichen sie 1986 „Farbe bekennen: Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte”:

„Warum Audre eine gute Wahl ist? Sie war eine leidenschaftliche Visionärin. Ihre Poesie leuchtet durch eine magische Tiefe, die zugleich auch immer politisch ist. Mit ihren Themen „Liebe und Wut/Anger“, „Bürgerrechte und Sexualität“ sowie „Frauenrechte und Umweltschutz“ verlieh sie einer ganzen politischen Generation die Stimme und wurde zum Vorbild nicht nur für schwarze Frauen, sondern für jede und jeden, die/der daran glaubt, dass „Befreiung nicht allein einer bestimmten Gruppe zugehörig ist.“ An jedem Ort, den Audre besuchte, inspirierte sie die Menschen aktiv zu werden. Ihre Gedichte und Essays bieten gerade in der aktuellen Lage nützliche politische Analysen, sodass ihr Erbe gerade wieder von einer jungen Generation begeistert rezipiert wird.“

Mehr zum JOLIBA e.V. »

©Foto für die CSD Berlin Motto-Grafik wurde von Katharina Oguntoye zur Verfügung gestellt. 

Brenda Howard (*1946 – †2005)

„The next time someone asks you why LGBT Pride marches exist or why Gay Pride Month is June tell them ‘A bisexual woman named Brenda Howard thought it should be’”, so Bi-Aktivist und Autor Tom Limoncelli über Brenda Howard. Die Bi-Aktivistin Howard gilt als Gründerin der CSDs und Pride Weeks. Ein Jahr nach den Stonewall Riots organisierte sie die erste Parade.

Statement Christian Jaeger | BiBerlin e.V.

Christian Jaeger, Vorstand BiBerlin e.V. über Brenda Howard:

„Brenda Howard ist als ‚Mother of Pride‘ die wahrscheinlich wichtigste Frau für die LSBTTIQ*-Bewegung. Sie startete 1970 die erste Christopher Street Liberation Day Parade, ein Jahr nach den Stonewall Riots. 1988 gründete sie mit Freunden das ‚New York Area Bisexual Network‘, das bis heute eine weltweite Anlaufstelle für Bisexuelle ist. Mit der Gründung des Netzwerks legte sie den Grundstein für die Akzeptanz von bisexuellen Menschen, wodurch diese sich organisieren konnten und somit sichtbar wurden. Brenda Howard stand ihr Leben lang nicht nur für die bisexuelle Community, sie wollte allen helfen und eine Welt erschaffen, in der es egal ist, welche sexuelle Orientierung man hat. 1986 gelang es ihr, in den USA das Gesetz gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung durchzusetzen. Brenda Howard ist somit eine der wichtigsten Personen für die bisexuelle Community.“

Mehr zum BiBerlin e.V. »

Lili Elbe (*1882 – †1931)

„Ich kämpfe gegen die Voreingenommenheit des Spießbürgers, der in mir ein Phänomen, eine Abnormität sucht… “, so Elbe. Die dänische Malerin Lili Elbe war vermutlich eine der ersten intersexuellen Personen, die eingewilligte genitalverändernde Maßnahmen mithilfe des Berliner Instituts für Sexualwissenschaft vornehmen lassen haben.

Statement Lucie Veith | Inter-Aktivist*in
Lucie Veith, Inter-Aktivist*in, Maler*in, Menschrechtler*in und Inter-Netzwerk- Koordinator*in:

„Lili Elbe hat gerungen, um ein selbstbestimmtes Leben in Würde und die Anerkennung ihrer Identität. Sie starb 1931. Es sollte noch 86 Jahre dauern bis höchstrichterlich entschieden wird: Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) schützt die geschlechtliche Identität. Es schützt auch die geschlechtliche Identität derjenigen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Mit den gesellschaftlichen Klärungen, welche „Bedingungen“ Mensch für ein diskriminierungsfreies Leben erfüllen muss, wurde gerade erst begonnen.“

Mehr zu Lucie Veith »

Karl Heinrich Ulrichs (*1825 – †1895)

Ulrichs war deutscher Jurist, Journalist, Verleger, Schriftsteller und zählt zu den bekanntesten Vorkämpfern für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen. Er forschte und publizierte über gleichgeschlechtliche Liebe, die er „Uranismus“ nannte.

Statement Jörg Litwinschuh | Bundestiftung Magnuns Hirschfeld

Jörg Litwinschuh, Geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld:

„Ulrichs kann als Urvater der Emanzipationsbewegung der Homosexuellen
bezeichnet werden. Auf seinen Errungenschaften bauten Magnus Hirschfeld und weitere Pioniere der Sexualwissenschaft auf. Er propagierte bereits im 19. Jahrhundert die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren: Damit ist Ulrichs aktueller denn je.“

Mehr zur Bundesstiftung Magnus Hirschfeld »

Marsha P. Johnson (*1945 – †1992)

Sie wurde die „Bürgermeisterin der Christopher Street“ genannt. Die afroamerikanische Ikone zählt zu den bedeutendsten Stimmen der Stonewall-Revolution. Künstler*in, Sexarbeiter*in und Trans*- und POC-Aktivist*in, Johnson war nicht nur eine schillernde Persönlichkeit im New Yorker Szene-Leben – bei den Stonewall-Unruhen 1969 hat sie mit an vorderster Front gegen das Unrecht und die Gewalt durch die Polizei und für die Gleichberechtigung von LSBTTIQ* gekämpft. 1970 gründete sie gemeinsam mit Aktivistin Sylvia Rivera die Organisation STAR (Street Transvestite Action Revolutionaries), die sich für obdachlose queere Jugendliche einsetzte.

Statement Nic van Dyke | Trans*Aktivist
Nic van Dyke, Trans*Aktivist und Mitglied der Kingz of Berlin:

„Es gibt noch viel zu tun! Für mich ist sie ein Symbol dafür, was Mensch alles erreichen kann, wenn Mensch dafür kämpft. Damals standen Schwule, Lesben, Drags, Trans*,… Seite an Seite und nur gemeinsam haben sie der Gewalt und der Unterdrückung etwas entgegensetzen können. Ich vermisse aktuell diesen Zusammenhalt in der Berliner Community, hoffe aber, dass er mit der Erinnerung an unsere Vorkämpfer*innen wieder entsteht und wir wieder gemeinsam für das kämpfen was uns eint – die Forderung nach Anerkennung und Gleichberechtigung!“

Mehr zu Kingz of Berlin »