Nachhaltigkeit beim CSD

Das Problem von Großveranstaltungen

Gemeinsam wollen wir uns beim 46. Berlin Pride am 27. Juli 2024 laut, bunt und stolz für die Gleichberechtigung und Sichtbarkeit der LGBTIQA*+ Community in Berlin, Deutschland und der ganzen Welt einsetzen. Genauso wichtig wie der Schutz der Menschenrechte ist aber auch der Schutz der Umwelt. Bei einer Demonstration in einer Größenordnung des Berliner CSD sind Belastungen für die Umwelt leider nicht immer vermeidbar. Umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam daran arbeiten, diese so gering wie möglich zu halten.

Zusammen mit der gemeinnützigen Initiative wirBERLIN (www.wir-berlin.org) haben wir daher unsere Köpfe zusammengesteckt und viele Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit des Berliner CSD entwickelt. Weitere Informationen zu den Aktivitäten von wirBERLIN beim Berliner CSD findet ihr auch auf deren Webseite unter www.wir-berlin.org/csd2024.

Unsere Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Wusstet ihr, dass die Berliner Stadtreinigung im Jahr 2022 insgesamt 360 Kubikmeter Müll – größtenteils Flaschen und Verpackungen – von unserer Demonstrationsroute beseitigt hat? Während unsere eigene Gastronomie bereits vollständig auf umweltfreundliche Verpackungen und Mehrwegbecher setzt, tragen insbesondere die mitgebrachten Getränke der Teilnehmer:innen und der Straßenverkauf zu diesem Problem bei. Gemeinsam muss es uns gelingen, die Teilnehmenden darauf hinzuweisen, ihren Müll und insbesondere ihre Flaschen ordnungsgemäß zu entsorgen oder wieder mit nach Hause zu nehmen.

Damit das mit der Entsorgung auch klappt, haben wir die Kapazität der von uns aufgestellten Müllbehälter in den letzten Jahren deutlich erhöht. Sensibilisierung ist auch beim Schutz der Berliner Grünflächen gefragt: Jedes Jahr werden Teile des Tiergartens und anderer Grünflächen z. B. durch Wildpinkler stark belastet oder sogar zerstört. Auch hier versuchen wir, mit der Sensibilisierung der Teilnehmer:innen, Absperrung besonders sensibler Bereiche und zusätzlichen Toilettenanlagen gegenzusteuern.

Ein ebenso wichtiges Anliegen ist die Reduzierung der durch unsere Demonstration verursachten CO2-Emissionen, zum Beispiel durch die teilnehmenden Fahrzeuge. Hier bieten wir auch in diesem Jahr wieder einen Rabatt in Höhe von 20 % auf die Anmeldegebühr für Fahrzeuge mit emissionsfreiem Antrieb an. Außerdem ist das Verteilen von Werbematerialien im Sinne der Müllvermeidung verboten.

Wie ihr euch als Besucher:innen für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzen könnt

 Du freust dich schon, dich gemeinsam mit deinen Freund:innen beim Berliner CSD für die Rechte der LGBTIQA*+ Community einzusetzen und auch dein Outfit ist schon fast fertig? Wir würden uns freuen, wenn deine Freund:innen und du dieses Jahr umweltbewusst mitdemonstriert! Dafür haben wir hier ein paar relevante Aspekte zusammengetragen:

Der meiste Müll, der bei großen Veranstaltungen wie dem Berliner CSD anfällt, stammt von den Besucher:innen. Auch wenn das zunächst erschreckend ist, ist das gleichzeitig auch eine gute Nachricht: Denn das bedeutet, dass wir alle selbst Initiative ergreifen und mit unseren Handlungen dafür sorgen können, dass weniger Müll auf den Straßen und in den Grünanlagen zurückbleibt. Seid also nicht nur lieb zu euren Mitmenschen, sondern auch zur Natur und nehmt euren Müll nach dem Umzug wieder mit nach Hause oder beseitigt ihn zumindest in den dafür vorgesehenen Mülltonnen.

Müllvermeidungs-Checkliste

Anfallender Müll lässt sich auf viele Arten vermeiden. Damit ihr einen Überblick habt, was ihr alles tun könnt, haben wir eine Müllvermeidungs-Checkliste für euch vorbereitet. Geht sie einfach Schritt für Schritt durch und vermeidet so ganz einfach Abfälle:

Behälter und Trinkgefäße: Bringe wiederverwendbare Wasserflaschen und Behälter für Getränke mit, um unterwegs gekaufte Einweg-Plastik- und Glasflaschen sowie -gefäße zu vermeiden und dich an Trinkbrunnen mit Wasser zu versorgen. Bei Läden oder Händler:innen könnt ihr fragen, ob sie euch eure Getränke darin servieren.

Kleinstmüll wie Kronkorken und Zigarettenkippen: Achte darauf, dass auch der kleinste Abfall in den dafür vorgesehenen Behältern landet. Das bedeutet auch, Kronkorken oder Zigarettenstummel nicht einfach auf den Boden zu werfen. Insbesondere Zigarettenstummel sind eine große Belastung für die Umwelt. Gadgets wie Taschenaschenbecher können helfen, deine Kippen richtig zu entsorgen. In unserem Anti-Littering-Aktionsbereich steht ein Sammelbehälter für Kronkorken bereit. Sammle deine Kronkorken unterwegs und wirf sie in unseren Container.

Glitzer, Konfetti und Co: Auch wenn der CSD eine bunte Veranstaltung ist, vermeide den Gebrauch von Einwegartikeln wie Luftballons, Konfetti und Glitzer. Dieser Kleinstmüll lässt sich anschließend nur sehr schwer wieder aus der Stadtnatur entfernen. Im Internet und in einigen Drogerien und Supermärkten finden sich biologisch abbaubare Alternativen zu den herkömmlichen Produkten. Wenn ihr also nicht auf euren Glitzer verzichten wollt, probiert diese Alternativen aus.

Kostüme: Auch bei der Kostümwahl solltet ihr darauf achten, dass euer Outfit nicht aus vielen Plastik-Einzelteilen besteht, denn diese können schnell abfallen und dann in der Natur verbleiben. Überlegt euch genau, ob ihr euer Kostüm wirklich neu kaufen müsst; ein passendes Outfit könnt ihr auch im Second-Hand-Geschäft kaufen oder beim Kostümverleih leihen. Besonders in Berlin findet ihr hierfür eine große Auswahl.

Müllbehälter: Entlang der Strecke sind zahlreiche Abfallbehälter aufgestellt. Werft dort den Müll ein, den ihr nicht vermeiden könnt. Der beste Müll ist natürlich der, der gar nicht erst entsteht.

Weitere Tipps folgen… 

Fotos: Nadine Jakobs für wirBERLIN

After-CSD-Cleanup

Besonders im Tierpark tummeln sich während des CSD zehntausende Menschen. Dementsprechend bleibt hier leider auch besonders viel Müll liegen. Nachdem wir am 27. Juli gemeinsam demonstriert haben, wollen wir zusammen mit euch bei unserem After-CSD-Cleanup am 28. Juli von 14-17 Uhr den übrig gebliebenen Müll auch wieder beseitigen. So können wir zeigen, dass für eine gerechte Welt auch der Umweltschutz von Bedeutung ist.

In entspannter Atmosphäre räumen wir den Tiergarten auf. Sämtliche Cleanup-Materialien, die benötigt werden, sowie eine Auswahl an Erfrischungsgetränken werden dabei von uns gestellt. Wer demonstrieren und danach feiern kann, der kann auch aufräumen! Treffpunkt ist das Goethedenkmal an der Ebertstraße. 

Bitte meldet euch zu dem After-CSD-Cleanup über die Webseite von unserem Kooperationspartner wirBERLIN unter www.wir-berlin.org/csd2024 an. Das hilft uns bei der Planung von Materialien, Getränke und Snacks und stellt sicher, dass ihr versichert seid. Wer möchte, kann am Sonntag aber gerne auch spontan vorbeischauen und mit anpacken!

Wie ihr als Wagenbetreiber:in oder Teilnehmer:in des Umzugs aktiv werden könnt

Wenn ihr mit einem eigenen Wagen oder mit einer Fußgruppe am CSD teilnehmt, dann ist euch eines gewiss: Die ungeteilte Aufmerksamkeit von hunderttausenden Besucher:innen und Demonstrierenden! Aufmerksamkeit geht aber immer auch mit Verantwortung einher. Bitte seid euch eurer Vorbildfunktion als Teilnehmer:in des Berliner CSD bewusst. Wenn ihr euch laut, bunt und stolz für die Rechte unserer Community einsetzt, dann stellt unbedingt sicher, dass ihr dabei weder euch noch andere oder die Umwelt gefährdet. Achtet auf eure Mitmenschen, trinkt ausreichend Wasser, nutzt die zur Verfügung stehenden Toiletten und Müllbehälter und lasst keinen Müll auf der Strecke zurück. Das gilt insbesondere für Glasflaschen, von denen ein hohes Verletzungsrisiko ausgeht. Stattet eure Wagen mit ausreichender Kapazität von Toiletten und Müllbehältern aus und nutzt Mehrweg für die Verpflegung eurer Teilnehmer:innen, insbesondere bei den Getränken/Bechern. Vielen Dank, dass ihr uns bei diesen Maßnahmen unterstützt und euch gemeinsam mit uns für einen nachhaltigen CSD einsetzt!

Green Rainbow Award

Der Wettbewerb zur Auszeichnung des nachhaltigsten Wagens bzw. der nachhaltigsten Fußgruppe beim Berliner CSD

Ihr nehmt in diesem Jahr mit einem Fahrzeug oder einer Fußgruppe am Berlin Pride teil? Sehr gut! Dann schreibt euch neben den Rechten der LGBTIQA*+ Community unbedingt auch den Umweltschutz auf die Fahne. Wie könnt ihr euer Fahrzeug oder eure Fußgruppe in diesem Jahr besonders umweltverträglich gestalten? Verfügt euer Fahrzeug über einen emissionsfreien Antrieb? Verwendet ihr bereits Mehrweg für eure Getränke und euer Essen? Was macht ihr mit eurem Müll? Wie sensibilisiert ihr eure Mitstreiter:innen für dieses Thema? Verwendet ihr die Aufbauten und Dekoration eures Fahrzeuges/eurer Gruppe wieder oder werden diese anschließend einem neuen Zweck zugeführt (Upcycling)? Wie könnt ihr eurer Vorbildfunktion für die anderen Demonstrierenden gerecht werden? Eurer Freiheit und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Überrascht uns mit euren Ideen für einen nachhaltigen CSD 2024.

Wie kann ich teilnehmen?

Ganz einfach: Bewerbt euch mit eurem Konzept und euren Ideen bis zum 22. Juli 2024 um 12 Uhr via E-Mail bei uns (thomas@csd-berlin.de). Frei, formlos und ohne jede Bürokratie. Gerne auf 1-2 Seiten, wer mag, mit ein paar Skizzen – mehr braucht es nicht. Wir werden euer Konzept aufmerksam prüfen und schauen uns euren Wagen oder eure angemeldete Fußgruppe am 27. Juli 2024 dann gemeinsam an.

Was gibt es zu gewinnen und wer entscheidet darüber?

Über die:den Gewinner:in des Wettbewerbs entscheidet eine Jury, der Vertreter:innen der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, des Bezirksamtes Mitte von Berlin, der Berliner Stadtreinigung, des Berliner CSD und wirBERLIN angehören. Zu gewinnen gibt es neben viel Stolz, Sichtbarkeit und einer gesünderen Umwelt den offiziellen und öffentlichkeitswirksamen Titel “Nachhaltigster Wagen” bzw. “Nachhaltigste Fußgruppe des Berlin Pride 2024”, welchen euch der Vorstand des Berliner CSD gemeinsam mit Vertreter:innen der Jury einige Wochen nach dem CSD bei einer Veranstaltung in Berlin übergeben wird.

Noch Fragen?

Dann melde dich gerne bei Thomas vom Berliner CSD (thomas@csd-berlin.de). Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

Was haben wir sonst noch geplant?

Anti-Littering-Area

In der Nähe der Abschlusskundgebung in der Ebertstraße am Parkeingang Goethe-Denkmal wird es eine Anti-Littering-Area geben, in der gesammelter Müll und Pfandflaschen abgegeben werden können. Mit kreativen und originellen Ansätzen wie Kunstinstallationen, Hinweisen auf Bannern und Displays, Ballot Bins, sogenannten Kippen-Entscheidungsboxen und einem Kronkorken-Sammelcontainer lenken wir die Aufmerksamkeit auf das Fokusthema Müll und sensibilisieren gleichzeitig für die Abfallvermeidung. Unser Ziel ist es, ein Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu schaffen. Kommt gerne zwischen 14 uns 20 Uhr in unserer Anti-Littering-Area vorbei!

Kommunikationskampagne

Wir wollen im Zuge des CSD eine mehrdimensionale Kommunikationskampagne umsetzen. Sie soll sich zum einen an die Besucher:innen, die Wagenbetreibenden und Künstler:innen der Demonstration wenden, zum anderen aber auch an die Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Die Kampagne soll verdeutlichen, wie wichtig es ist, Müll auf Großveranstaltungen zu vermeiden und zeigen, welche tollen, kreativen Ansätze es gibt, um dieses Problem gemeinsam anzugehen.

Austausch mit den Ämtern

An der Organisation und Durchführung des Berliner CSD sind viele Behörden und Ämter der Bezirke Mitte und Tempelhof-Schöneberg, durch die unsere Demonstrationsstrecke verläuft, beteiligt. Um die Demonstration im Hinblick auf den Schutz der Teilnehmer:innen und der Umwelt zu verbessern, stehen wir im regen Austausch mit allen relevanten Behörden. Die Arbeit ist dabei von großer Konstruktivität und gegenseitigem Verständnis geprägt. Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich für die stets sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken!

Workshop zur Verbesserung der Nachhaltigkeit des Berliner CSD

Am 19. Oktober 2023 hat der Berliner CSD in Zusammenarbeit mit wirBERLIN und dem Bezirksamt Mitte von Berlin einen Workshop zur Verbesserung der Nachhaltigkeit des Berliner CSD veranstaltet. An dem Workshop nahmen auch Vertreter:innen von BSR, Polizei, Ordnungsamt, Straßen- und Grünflächenamt, Rechtsamt und der Zero-Waste-Agentur teil. In Ihrem Grußwort bedankte sich Bezirksstadträtin Frau Dr. Almut Neumann für das Engagement des CSD und den hohen Stellenwert, den wir dem Thema Umweltschutz bei unserer Demonstration beimessen.

Angenehmer Nebeneffekt des Workshops: Erstmals haben sich alle Vertreter:innen des CSD, der Verwaltung, Ämter, Polizei und BSR in ungezwungener Atmosphäre an einem Tisch getroffen, konnten sich besser kennenlernen und ein gutes Verständnis füreinander entwickeln. Die Arbeitsatmosphäre war überaus positiv und es wurden viele tolle Ergebnisse erzielt, von denen wir einige bereits beim diesjährigen CSD umsetzen möchten!